Internationale Fachzeitschrift für
alte und neue Numismatik

Leserforum

In dieser Rubrik beantwortet die Redaktion regelmäßig Fragen der Leserinnen und Leser des Deutschen Münzen Magazins. Besonders interessante und häufig gestellte Leserfragen finden Sie hier in unserer Online-Ausgabe.


Kolorierte 2-Euro-Münzen

Mehrere EU-Länder geben die 2-Euro-Gedenkmünzen auch als kolorierte Version aus. Sind diese Ausgaben „nur“ ein nationales Zahlungsmittel, oder wie die nicht kolorierten Ausgaben in der gesamten EU ein gültiges Zahlungsmittel?

Wolfgang Wiesmann

Anmerkung der Redaktion: Da die kolorierten 2-Euro-Gedenkmünzen nicht den technischen Merkmalen der für den Umlauf bestimmten Euromünzen entsprechen, sind sie kein offizielles Zahlungsmittel innerhalb der gesamten Eurozone und werden auch nicht im Amtsblatt der EU veröffentlicht. In der Verordnung Nr. 975/98 des Europäischen Rates, die auch die Münz-Spezifikationen festlegt, wird beim 2-Euro-Stück neben Größe, Gewicht und Prägemetallen auch die Farbe genannt: “außen: weiß, innen: gelb”. Bunte Verzierungen sind demnach ausgeschlossen. Dabei ist es unerheblich, ob die Kolorierung von privater Seite erfolgt oder in staatlichem Auftrag (wie etwa für Teilauflagen in Frankreich). Offizielle Farb-Ausgaben können allerdings im Ausgabeland gesetzliche Zahlungsmittel sein, während nachträglich kolorierte Münzen ihren Zahlungsmittelstatus komplett verlieren. Das Ganze ist jedoch eher eine theoretische Frage. Weil teilkolorierte Münzen in der Regel deutlich mehr als den Nennwert kosten, wird wohl niemand auf die Idee kommen, mit diesen Geldstücken bezahlen zu wollen.

Raucher auf Bundesmünzen

Stefan Schirmer schreibt in „DIE ZEIT“ Nr. 39/2017 am 21. September 2017 über die Zwei-Euro-Münze zu Ehren Helmut Schmidts: „Fehlt da nicht was?“ Er meint die markante Zigarette, die für Helmut Schmidt das wurde, was die sogenannten Attribute für die Heiligen der Kirchengeschichte sind (Barbara mit Turm, Elisabeth mit Rosen, Nikolaus mit den drei Goldkugeln). Bodo Broschat, der Münzgraveur, vermied die Zigarette, um ja nicht für das Rauchen zu werben; selbst bei Ludwig Erhard fehle ja in seinen Ehrungen auf Münze und Marke die Zigarre. Nun halte ich die Zwanzig-Euro-Münze für Peter Behrens in Händen („150. Geburtstag“ des Grafikers): Siehe da, mit Pfeife! Mir ist wohl entgangen, dass Pfeifen gesundheitsfördernd wirken, Zigarren und Zigaretten hingegen nicht. Können Sie mich aufklären?

Felix Evers

Anmerkung der Redaktion: Leider haben auch wir keine schlüssige Erklärung für diese scheinbare Inkonsequenz des Herausgebers. Nur so viel: das deutsche Münzgesetz verbietet die Darstellung von rauchenden Personen auf Bundesmünzen nicht. Erst Ende 2016 gab es einen bekennenden Raucher auf einer deutschen 20-Euro-Gedenkmünze: den Maler Otto Dix. Bei seinem grimmig dreinblickenden Konterfei handelt es sich um ein Selbstporträt. Große Kunst also. Da gibt es keine Tabus. Und vielleicht erinnern Sie sich: 2007 erschien eine 10-Euro-Münze zum 175. Geburtstag des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Im Mittelpunkt des Motivs steht auch hier ein Selbstbildnis – mit Zigarette.

„Adler und Schlange“-Symbolik

Auf den Libertad-Münzen aus Mexiko ist auf der Rückseite das Staatswappen mit einem Adler abgebildet, der eine Schlange fängt. Fast das gleiche Motiv habe ich bei Ihnen in der Zeitschrift auf einer 3-Mark-Münze aus dem deutschen Kaiserreich gesehen. Gibt es da einen geschichtlichen Zusammenhang?

Manfred Adam

Anmerkung der Redaktion: Eine direkte historische Verbindung gibt es nicht, aber die Symbolik meint hier wie dort das gleiche: Gut besiegt Böse. Das von dem Schriftzug „Estados Unidos Mexicanos“ (Vereinigte Staaten Mexikos) umringte Staatswappen mit dem Adler, der auf einem Kaktus sitzend eine Schlange in den Krallen hält, steht für das Ende der spanischen Kolonialherrschaft im Jahr 1821. Die Darstellung geht auf die Legende um die Gründung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlan, heute Mexiko City, vor etwa 8000 Jahren zurück. Auch im Deutschen Reich – auf den 2- und 3-Mark-Silbermünzen Preußens von 1913 zur Jahrhundertfeier der Befreiungskriege – symbolisiert das Bild „Adler packt Schlange“ den Sieg gegen das Böse. Hier steht die Schlange symbolisch für die französische Fremdherrschaft unter Napoleon in Deutschland, die der preußische Adler erfolgreich bekämpft. In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 fiel damals die Entscheidung.

50-Cent-Fehlprägung

Habe eben auf Facebook von einer 50-Cent-Münze mit Adler statt Brandenburger Tor gelesen. Ist Ihnen da etwas bekannt?

Andreas Baake

Anmerkung der Redaktion: Ja, das ist eine bekannte Fehlprägung aus dem Jahr 2002. In Karlsruhe (Prägezeichen G) sind wohl mehrere Hundert Exemplare versehentlich mit Adler-Rückseite statt mit dem Brandenburger Tor geprägt und bei den Kontrollen übersehen worden. Wie viele genau in Umlauf gekommen sind, ist unklar. Tatsache aber ist, dass bereits mehrere Stücke aufgetaucht sind und für bis weit über 1000 Euro im Handel angeboten wurden. Zu welchem Preis sie dann tatsächlich den Besitzer wechselten, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. 2010 wurde jedoch ein Stück in Berlin für 750 Euro versteigert. Es handelt sich bei dieser Fehlprägung um eine sogenannte Stempelkoppelung, bei der auf der Ronde einer 50-Cent-Münze aus Nordischem Gold (Kupfer-Aluminium-Zink-Zinn-Legierung) die richtige Wertseite mit dem nur einen Millimeter kleineren Stempel der nationalen Adlerseite des deutschen 1-Euro-Stücks kombiniert wurde.

Hermesstab als Medizin-Symbol?

Bei der 2-Euro-Münze von Italien „60 Jahre Gesundheitsministerium“ ist mir folgendes aufgefallen: Den Gestaltern des Münzbildes ist meines Erachtens eine Verwechslung unterlaufen, weil der abgebildete Hermesstab (2 Schlangen) kein ärztliches Symbol ist, sondern für Wirtschaft und Handel steht. Richtig wäre wohl die Verwendung des Äskulapstabes (1 Schlange) als Symbol des ärztlichen und pharmazeutischen Standes.

Harry Schreiber

Anmerkung der Redaktion: Sie haben die Münze sehr aufmerksam betrachtet! Tatsächlich steht in Deutschland der Äskulapstab als Symbol für Ärzte oder medizinische Dienste. In Italien und anderen Ländern allerdings ist es der Hermes- oder Merkurstab, der häufig in den Signets von Apotheken (siehe Abbildung „Farmacia“) oder Rettungsdiensten zu finden ist. Insofern handelt es sich also nicht um einen Fehler auf der Münze. Der sogenannte Caduceus (von griech.: Heroldstab), ein an der Spitze geflügelter Stock, der von zwei Schlangen mit einander zugewandten Köpfen umwunden ist, diente in der römischen Mythologie dem Gott Merkur als Zauberstab.

Euro-Münzen aus dem Kosovo?

Der Balkanstaat Kosovo, der wie Andorra nicht zur EU gehört, hat den Euro ebenfalls als Zahlungsmittel, aber keine eigene Münzprägung. Wann werden Euro-Kursmünzen aus dem Kosovo auf den Markt kommen?

Thomas Kummer

Anmerkung der Redaktion: Andorra ist zwar kein Mitglied der Europäischen Union, hat aber umfangreiche Zoll- und Kooperationsabkommen mit der EU abgeschlossen und seit 2011 auch ein Währungsabkommen. Danach ist der Euro dort gesetzliches Zahlungsmittel und Andorra darf seit 1. Juli 2013 in begrenztem Umfang auch Münzen (keine Banknoten) in Euro ausgeben, die wertmäßig je zur Hälfte den Nachbarstaaten Spanien und Frankreich zugerechnet werden. Damit hat Andorra einen ähnlichen Status wie die Kleinstaaten Monaco, San Marino und der Vatikan. Auch sie sind über ihre „Mutterländer“ Frankreich bzw. Italien in die EU eingebunden.

Kosovo dagegen besitzt keine derartigen Assoziierungsverträge mit der EU und hat den Euro unilateral, also einseitig, als Fremdwährung übernommen. Schon zuvor galt dort die Deutsche Mark als offizielle Landeswährung. Euro-Münzen aus Kosovo kann es erst geben, wenn der Staat mit der Europäischen Union ein entsprechendes Währungsabkommen schließt oder aber Vollmitglied der EU wird. Bis dahin dürfte es allerdings ein weiter Weg sein, denn noch nicht einmal alle EU-Staaten, unter ihnen Spanien und Griechenland, haben den Kosovo überhaupt als unabhängigen Staat völkerrechtlich anerkannt.

Bayerische Mark von 1800?

Im Nachlass meines Großvaters fand ich eine Münze aus dem Jahr 1800, die vermutlich aus Bamberg stammt, jedenfalls taucht auf der Rückseite die Abkürzung „BAMB.“ auf und die Kirche mit den vier Türmen könnte der Bamberger Dom sein. Darüber steht in einem Oval „XX EINE FEINE MARK“. Galt damals in Bayern schon die Mark?

Gerald Moser

Anmerkung der Redaktion: Es handelt sich um einen Halbtaler des Bistums Bamberg aus der Regierungszeit von Fürstbischof Christoph Franz von Busek (1795–1802) und einer Stadtansicht von Bamberg, unter anderem mit dem viertürmigen Kaiserdom. Die Bezeichnung „XX EINE FEINE MARK“ bedeutet, dass aus einer Mark (Gewichtseinheit: 1 Kölner Mark = ca. 234 g) zwanzig halbe Taler wie dieser geprägt wurden. Ein Taler enthielt damals mithin 23,4 Gramm Feinsilber, darauf hatte man sich vertraglich (in einer „Konvention“) geeinigt. Das erklärt auch die Umschrift auf der Bildseite oben: „NACH DEM CONVENTIONSFUSE“. Der Ausdruck „Mark“ bezeichnet hier also ein Gewicht, als Währung wurde die Mark im Königreich Bayern erst mit Gründung des Kaiserreichs 1871 eingeführt.

Fein- oder Raugewicht

Auf dem Zertifikat, das ich mit einem Gold-Krügerrand geliefert bekam, steht als Gewicht (Masse) 34 Gramm, was sich beim Nachwiegen bestätigt hat. Das ist deutlich mehr als eine Unze (31,1 g), wie es auf der Münze selbst steht (1 OZ FINE GOLD). Beim Silber-Krügerrand stimmen das von mir nachgewogene Gewicht von 31 Gramm und die Angaben auf der Münze (1 OZ FINE SILVER) aber überein. Gibt es bei Feingold und Feinsilber da einen Unterschied?

Peter M. Seidel

Anmerkung der Redaktion: Grundsätzlich muss bei Edelmetallmünzen zwischen dem Feingewicht, also dem Gehalt an purem Silber oder Gold, und dem Rau- oder Gesamtgewicht unterschieden werden. Die aufgeprägten Angaben „1 Unze Feingold“ bzw. „1 Unze Feinsilber“ auf den Krügerrand-Münzen beziehen sich auf die Masse an reinem Edelmetall. Sie beträgt jeweils 31,1 Gramm. Da der Gold-Krügerrand jedoch in einer Legierung von 22 Karat (917/1000) erscheint, sind zusätzlich noch knapp drei Gramm Kupfer im Prägemetall enthalten. So kommt das Gesamtgewicht von rund 34 Gramm zustande – und der typische, etwas rötliche Gold-Farbton dieser südafrikanischen Anlagemünze. Der letztes Jahr erstmals geprägte Silber-Krügerrand dagegen besteht zu 99,9 Prozent aus Edelmetall. Mithin sind hier Rau- und Feingewicht (bis auf ein mit einer normalen Waage nicht messbares tausendstel Gramm) identisch.

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